(BZfE) – Sogenannte „Energy Shots“ werden in kleinen Portionsfläschchen angeboten und können sehr hohe Mengen Koffein enthalten. Sie liefern pro Portion deutlich mehr Koffein als Kaffee oder Energy Drinks. Durch ihre Wirkung auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem sollen die hochkonzentrierten Drinks Müdigkeit vertreiben, Aufmerksamkeit und Konzentration erhöhen sowie die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern. Allerdings können sie nicht nur für koffeinempfindliche Personen, Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche gefährlich sein, sondern grundsätzlich für jeden. Daher warnen die Verbraucherzentralen und das Bundesinstitut für Risikobewertung vor Gesundheitsrisiken durch Energy Shots und fordern unter anderem ein Verkaufsverbot für Minderjährige.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW kann eine Portion eines Energy Shots von 25 bis 60 Millilitern bis zu 230 Milligramm Koffein enthalten. Das ist etwa so viel, wie in drei Espressi oder zwei bis drei Tassen Filterkaffee stecken. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt als gesundheitlich unbedenkliche Einzeldosis für Erwachsene eine Koffeinmenge von 200 mg. Diese ist mit Energy Shots schnell erreicht, gegebenenfalls sogar mit einer Portion bereits überschritten. Besonders schwierig wird es für Kinder und Jugendliche, da die als unbedenklich eingestufte Koffeinmenge hier deutlich niedriger liegt. Wie hoch genau, ist abhängig vom individuellen Körpergewicht. Bei einem 50 kg schweren Heranwachsenden liegt die Höchstmenge beispielsweise bereits bei 150 mg Koffein am Tag, während sie bei Erwachsenen bei 400 mg täglich angesetzt ist. Auf den Produkten muss allerdings ein Verzehrhinweis wie „nur 1 Dose täglich“, und die Warnung „empfohlene Menge nicht überschreiten“ stehen. Wer diese Hinweise jedoch übersieht oder ignoriert, nimmt schnell eine Koffein-Dosis auf, welche die empfohlene Tageshöchstmenge überschreiten kann.
Die möglichen Folgen reichen von Nervosität und Übelkeit über Kopfschmerzen, Herzrasen und Schweißausbrüchen bis zu Angstzuständen und Kreislaufkollaps. Zusammen mit Alkohol oder bei starker körperlicher Anstrengung ist das Risiko besonders hoch. Daher empfiehlt es sich, die Verzehrempfehlung auf der Verpackung unbedingt ernst zu nehmen. Dies gilt auch für die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise „Erhöhter Koffeingehalt“ und „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“.
Noch höher ist das Risiko einer Überdosierung bei Koffein-Pulver. Es wird wie die Energy Shots als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und ist zum Beispiel als „Pre-Workout-Pulver“ zur angeblich sportlichen Leistungssteigerung frei verkäuflich. Bei reinem Koffein-Pulver wird die maximale Einzeldosis von 200 Milligramm Koffein bereits mit etwa einer Messerspitze erreicht. Weil eine übliche Küchenwaage meist erst Mengen ab ein bis zwei Gramm exakt erfassen kann, können kleine Abweichungen beim Abmessen bereits einen erheblichen Unterschied bei der Koffeindosis ausmachen. Auch die beigelegten Dosierlöffel messen oft nur sehr ungenau. Vor dem Hintergrund, dass bereits fünf bis zehn Gramm Koffein lebensgefährlich sein können, sollten hochkonzentrierte, lose Koffein-Pulver nur mit besonderer Vorsicht bei der Dosierung verwendet werden.
Melanie Kirk-Mechtel, bzfe.de
Weitere Informationen:
Verbraucherzentrale NRW: Energy Shots und Koffein-Pulver: Diese Gesundheitsrisiken sollten Sie kennen
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hochkonzentriertes Koffein-Pulver kann bereits in geringen Mengen schwere Vergiftungen hervorrufen
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken?
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