Ernährungstipps auf Instagram und TikTok

Wenn gesundes Essen zum Zwang wird

Eine junge, schlanke Frau schaut auf ihr Handy. © ChayTee – stock.adobe.com

(BZfE) – Wenn Influencerinnen und Influencer in den sozialen Medien Tipps zur gesunden Ernährung geben, vermitteln sie in ihren Videos zum Teil ein idealisiertes Körperbild und starre Ernährungsregeln. Eine Studie der Flinders University in Australien zeigt, dass die Informationen häufig irreführend sind und einen problematischen Umgang mit Essen begünstigen können.

Die Forschenden werteten 300 kurze Videos auf Instagram und TikTok aus, die sich in erster Linie an Frauen richteten. Der Fokus der Untersuchung lag auf Inhalten, die mit Orthorexie in Verbindung gebracht werden können.

Orthorexie beschreibt einen zwanghaften Umgang mit gesunder Ernährung. Betroffene stellen immer strengere Ernährungsregeln auf und meiden zunehmend bestimmte Lebensmittel oder ganze Lebensmittelgruppen. Das kann eine unausgewogene Ernährung begünstigen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Auch der „Clean-Eating“-Trend kann eine Rolle spielen. Dabei geht es darum, möglichst „natürliche“, vollwertige und frische Lebensmittel zu essen sowie stark verarbeitete Produkte zu meiden. Problematisch wird es, wenn die Umsetzung sehr strikt ist.

Das Ergebnis: Die ausgewerteten Videos spiegelten häufig Einstellungen und Verhaltensweisen wider, die mit Orthorexie in Verbindung stehen können. Knapp ein Drittel der Beiträge vermittelte starre Ernährungsregeln oder Einschränkungen, zum Beispiel „Du musst täglich 180 Gramm Protein zu dir nehmen“. Und ein Fünftel der Beiträge stufte Lebensmittel pauschal als „gut“ oder „schlecht“ ein. 

Rund 78 Prozent der Videos stammten von Influencerinnen und Influencern ohne fachliche Qualifikation. Häufig vermitteln sie eine stark vereinfachte Botschaft: „Wenn du so isst wie ich, kannst du so aussehen wie ich“. Dabei wird die Gesundheit von vielen weiteren Faktoren wie Genetik, Lebensstil, Kultur und persönlichen Umständen beeinflusst, betonen die Forschenden. Bei 68 Prozent der untersuchten Videos bewerteten die Forschenden die vermittelten Gesundheitsinformationen als „irreführend oder täuschend“. 

„Oberflächlich betrachtet scheinen diese Beiträge die Gesundheit zu fördern, doch viele von ihnen fördern zunehmend starre und perfektionistische Standards in Bezug auf das Essverhalten“, resümiert Professorin Ivanka Prichard von der Flinders University. Weitere Studien sollen folgen, die unter anderem auch an Männer gerichtete Inhalte in den sozialen Medien untersuchen.

„Die perfekte Ernährungsweise für alle gibt es eben nicht“, erklärt Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). „Wichtig ist, dem eigenen gesunden Menschenverstand zu vertrauen. Wenn mir jemand auf einem Social-Media-Kanal sagt, wie und was ich essen soll, ist Skepsis immer angebracht. Denn Essen muss erstens mir selbst schmecken, in meinen Alltag passen und darf auf gar keinen Fall zum Stressfaktor werden. Wer das beherzigt, hat schon viel ‚richtig‘ gemacht.“

Heike Kreutz, bzfe.de

Weitere Informationen:

Pressemeldung: Eat like me to look like me

Studie: “Eat Like Me = Look Like Me:” A Content Analysis of Healthy Lifestyle, Nutrition and Clean Eating Social Media Content

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