(BZfE) – Lithium ist derzeit in der Wissenschaft und in den Sozialen Medien ein großes Thema. Schon seit mehr als 100 Jahren wird das Spurenelement in der Therapie von psychischen Erkrankungen eingesetzt. Eine im Sommer 2025 veröffentlichte Studie gab außerdem Hinweise darauf, dass Lithium eine Rolle beim Schutz vor Demenz spielen könnte. Es soll die Denkleistung erhalten, Gehirn und Nervensystem schützen und sogar die Stimmung verbessern können. Es überrascht nicht, dass unter anderem Influencerinnen und Influencer eine Nahrungsergänzung mit Lithium empfehlen. Doch die wissenschaftliche Lage ist alles andere als eindeutig. Und noch gravierender: Der Grat zwischen Nutzen und Risiko ist sehr schmal.
Lithium ist ein Spurenelement, der in Lebensmitteln wie Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchten in sehr geringen Mengen vorkommt. Es spielt nachweislich eine Rolle bei geistigen Leistungen und im Nervensystem. Seine Funktion im Körper ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Konkrete Mangelerscheinungen sind ebenfalls nicht bekannt. Fraglich ist, ob mehr Lithium aus dem Essen oder in Pillenform überhaupt die geistige Funktion beeinflussen kann. Die Symptome einer Lithiumvergiftung dagegen sind schwerwiegend. Es treten unter anderem verschiedene neurologische Störungen, starker Durst, Erbrechen oder Durchfall auf. Schwere Vergiftungen führen bis hin zum Tod.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist darauf hin, dass Lithium in der Europäischen Union für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln nicht zugelassen ist. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher chemischen Verbindung Lithium eingesetzt wird. Die Anreicherung anderer Lebensmittel mit Lithium ist ebenfalls nicht zulässig und somit verboten.
Trotzdem ist es möglich, zum Beispiel über das Internet, Produkte mit Lithium zu kaufen. Aufgrund seiner pharmakologischen und gesundheitsgefährdenden Wirkungen ist davon auszugehen, dass es sich bei diesen Erzeugnissen, um nicht zugelassene Arzneimittel oder um nicht sichere Lebensmittel handelt. In beiden Fällen ist das Inverkehrbringen in Deutschland deshalb verboten.
In der Medizin kommt Lithiumcarbonat bei Depressionen und bipolaren Störungen zum Einsatz. Da der Bereich zwischen schädlich und wirksam sehr klein ist, werden während dieser Therapie verschiedene Blutwerte, darunter die Nieren- und Schilddrüsenwerte der Patientinnen und Patienten regelmäßig kontrolliert. Unter bestimmten Umständen kann Lithium also der Gesundheit zuträglich sein, aber eben nur unter ärztlicher Aufsicht.
Julia Icking, bzfe.de
Weitere Informationen:
BVL: Einnahme von Lithium nur unter ärztlicher Aufsicht
BZfE: Nahrungsergänzungsmittel – Antworten auf die wichtigsten Fragen
Verbraucherzentrale: Klartext Nahrungsergänzung
Bundesinstitut für Risikobewertung: Mikronährstoffe und Co.
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