Markt für alternative Milchprodukte wächst

Studie zeigt mögliche Entwicklungen bis 2035

Auf einem Tisch stehen zwei Karaffen und zwei Trinkgläser mit verschiedenen hellen Flüssigkeiten, davor liegen Mandeln, Kichererbsen, Haferflocken und eine halbierte Kokosnuss. © Helge Höpfner – stock.adobe.com

(BZfE) – Haferdrink, Sojajoghurt und Cashewkäse: In Deutschland ist in den kommenden zehn Jahren ein Wachstum des Marktes für alternative Milchprodukte zu erwarten. Die Gründe sind vielfältig. Da sind zum einen gesellschaftliche Debatten über Tierwohl und Gesundheit sowie staatliche und private Klimaziele. Daneben spielen aber auch technologische Weiterentwicklungen bei der Herstellung neuer Produkte eine zentrale Rolle. Das ist das Ergebnis einer Studie, für welche die Denkfabrik Agora Agrar, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft und die Uni Hohenheim zusammengearbeitet haben.

Präzisions- und Biomasse-Fermentation sowie Extraktion und Isolation aus Pflanzen sind die drei Verfahren, denen die Studie eine relevante Bedeutung für die Nachfrage nach Milchalternativen in Deutschland bis 2035 zutrauen.

Dazu wurden Szenarien zur Nachfrageentwicklung bis 2035 erarbeitet, die den Konsum von alternativen Milchprodukten einmal dynamisch und einmal konservativ wachsend modellierten. In die Szenarien wurden viele Faktoren einbezogen, etwa die Entwicklung der Nährwertprofile. Aber auch das Markt- und Entwicklungspotenzial von Technologien und wie schnell sich für ein bestimmtes Produkt auch Herstellungskapazitäten entwickeln lassen, wurde berücksichtigt. Immerhin hängt davon ein künftiger Preis für das alternative Produkt ab. Und nicht zuletzt bestimmt die Gesetzgebung, vor allem die EU-Novel-Food-Verordnung, wie schnell neue Technologien auf den Markt kommen können. Das gilt vor allem dann, wenn wie bei der Präzisionsfermentation Gentechnik im Spiel sein kann.

Je nach Szenario ermittelte die Studie für alternative Milchprodukte 2035 einen Marktanteil am Gesamtkonsum von 12 Prozent (konservativ) bis 25 Prozent (dynamisch). 2023 lag ihr Anteil bei 7,4 Prozent. Erfolgreich werden die Produkte vor allem in den Bereichen Trinkmilch, Sahne, Joghurt und nur zum Teil bei Käse sein. Ab Anfang der dreißiger Jahre eröffnen laut den Forschenden neue Fermentationstechnologien zusätzliche Möglichkeiten. Für weiterverarbeitete Lebensmittel, wie Fertiggerichte oder Eis, ist schwer abschätzbar, ob die Lebensmittelindustrie hierfür pflanzliche Alternativen nutzen wird. Das gilt auch für das Potenzial von Hybridprodukten, die pflanzliche und tierische Zutaten kombinieren.

Wenn mehr alternative Produkte konsumiert werden, hat das natürlich Auswirkungen auf den Markt für klassische Milchprodukte. Hier hat das Thünen-Institut bereits im letzten Jahr eine leichte Verminderung der Kuhbestände prognostiziert. Ausgehend von dieser Basis ermittelten die Forschenden, dass die vorhergesagten Verbräuche pflanzlicher Alternativen zu weiteren Verminderungen bei den Tierzahlen führen werden. Es sei denn, Exporte in mehr oder weniger großem Umfang können den Rückgang des Trinkmilchverbrauchs auffangen. Gerade kleinere und weniger wettbewerbsfähige Milchviehbetriebe, aber auch Molkereien werden in Deutschland unter Druck geraten. Molkereien sind also gut beraten, sich rechtzeitig um ein vielseitigeres Sortiment zu bemühen. 

Britta Klein, bzfe.de

Weitere Informationen:

Agora Agrar: Alternative Milchprodukte. Nachfrageentwicklung und mögliche Auswirkungen auf den Milchmarkt in Deutschland

BZfE: Milch: Gesundheit und Umwelt

BZfE: Pflanzendrink versus Kuhmilch