Martinsgebäck in Europa

Von Mohnhörnchen bis Anisplätzchen

In einem weißen Korb stehen Stutenkerle mit Rosinen dekoriert nebeneinander. © SvetlanaSF– stock.adobe.com

(BZfE) – Am 11. November wird in vielen europäischen Ländern der Martinstag gefeiert, vielerorts auch mit speziellem Gebäck. Dabei unterscheiden sich die kulinarischen Traditionen von Region zu Region: Die Vielfalt reicht von Weckmännern und Brezeln über gefüllte Mohnhörnchen bis hin zu würzigen Aniskeksen.

In Deutschland gehört süßes Gebäck vielerorts zum Martinstag. Der Weckmann wird je nach Region auch Stutenkerl oder Dambedei genannt und meist aus Hefeteig zubereitet. Häufig hat er Rosinen als Augen und eine kleine Tonpfeife in der Hand. Die süßen Martins-Brezel lassen sich gut in Stücke teilen und das lehnt sich an Sankt Martin an, der seinen Mantel geteilt hat. 

In der polnischen Stadt Posen werden zum Fest des heiligen Martin von Tours traditionell Posener Martinshörnchen (Rogal świętomarciński) gebacken. Das halbmondförmige, blättrige Gebäck wird mit weißem Mohn, Nüssen, Rosinen und kandierten Früchten gefüllt, mit einer Zuckerglasur bestrichen und mit gehackten Nüssen bestreut. Die Bezeichnung ist als geschützte geografische Angabe in der Europäischen Union registriert. Unter dieser Bezeichnung darf die Spezialität nur in der Region Posen nach bestimmten Vorgaben hergestellt werden.

In der Slowakei gibt es ebenfalls besonderes Martinsgebäck. In Städten wurden früher große mit Mohn gefüllte Kuchen in Hufeisenform gebacken – die sogenannten Martinshufeisen (Martinove podkovy). Heute kommen rund um den Martinstag auch kleinere, gefüllte Hörnchen auf den Tisch. In Tschechien zählen Martinskipferl (Svatomartinské rohlíčky) zu den süßen Spezialitäten. Die halbmondförmigen Hörnchen werden zum Beispiel mit Mohn, Walnüssen, Quark oder Konfitüre gefüllt.

Auf Sizilien essen die Menschen am Martinstag gerne Biscotti di San Martino. Die festen, trockenen Kekse werden häufig doppeltgebacken und mit Anis oder Fenchelsamen gewürzt. Traditionell tunkt man sie in Moscato oder einen anderen süßen Wein. Es gibt auch weichere Varianten, die aufgeschnitten und mit Ricotta gefüllt werden. 

In Venedig und im venezianischen Umland ist das Dolce di San Martino vor allem bei Kindern beliebt. Das Mürbeteiggebäck zeigt den heiligen Martin auf seinem Pferd mit einem Schwert. Nach dem Backen wird es mit Zuckerguss, Schokolade, bunten Süßigkeiten und Zuckerperlen verziert. So wird aus dem Traditionsgebäck ein farbenfroher Hingucker.

Wer die Tradition in die eigene Küche holen möchte, kann Martinsgebäck auch selbst backen. Ein einfacher Quark-Öl-Teig lässt sich gut zu Stutenkerlen, Hörnchen oder Brezeln formen. Nach dem Backen können die Gebäcke nach Belieben mit Rosinen, Mandeln, Zuckerguss oder Schokolade verziert werden. So entstehen individuelle Leckereien, die sich auch gemeinsam mit Kindern zubereiten lassen. Und vielleicht wird daraus eine neue Familientradition zum Martinstag.

Heike Kreutz, bzfe.de

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