(BZfE) – Die Kombination von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie führt bei Menschen mit Adipositas häufig zu beachtlichen Gewichtsabnahmen. Allerdings sind die Effekte bei manchen Personen geringer. Um schon im Vorfeld abschätzen zu können, wie hoch die Erfolgsaussichten eines strukturierten Lebensstilprogramms sind, entwickelte ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Instituts für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim ein KI-gestütztes Prognosemodell.
Strukturierte Programme zur Lebensstiländerung erfordern von den Teilnehmenden viel Zeit, Disziplin und Geld. Prof. Dr. Stephan C. Bischoff von der Universität Hohenheim berichtet: „Das Problem dabei ist, wer ein Jahr lang viel investiert und dennoch wenig davon profitiert, ist möglicherweise weniger motiviert, weitere Versuche zur Gewichtsabnahme zu unternehmen, und könnte zukünftig von weiteren Abnehmversuchen absehen.“ Mit der KI-Prognose könnten diese Personen identifiziert und anderen Behandlungsformen zugeordnet werden. Dazu zählen beispielsweise Medikamente oder ein chirurgischer Eingriff.
Die Daten für die KI-Prognose sammelten die Forschenden im Rahmen einer klinischen Studie. Dabei absolvierten 50 Erwachsene mit fortgeschrittener Adipositas ein Jahr lang ein Abnehm-Programm, bei dem auf eine dreimonatige Phase mit standardisierter Trinknahrung mit etwa 850 Kilokalorien pro Tag eine dreimonatige Übergangs- und eine sechsmonatige Erhaltungsphase folgten. Außerdem gab es wöchentliche Gruppentreffen im Studienzentrum der Universität Hohenheim mit medizinischer Überwachung. Hier wurden Körpergewicht und Blutwerte gemessen sowie Daten zur Körperzusammensetzung, zum Darmmikrobiom und zum Blutmetabolom, das knapp 200 im Blut vorkommende Metaboliten umfasst, erhoben. Das Forschungsteam entwickelte daraufhin einen Algorithmus, der mit sehr hoher Genauigkeit vorhersagen konnte, welche Personen besonders stark von dem Programm profitieren würden und welche nicht.
Die Ergebnisse können nicht nur dazu beitragen, die Erfolgsquote von Abnehm-Programmen deutlich zu erhöhen. Sie liefern auch vielversprechende Hinweise darauf, wie eine personalisierte Adipositas-Therapie in Zukunft aussehen könnte.
Melanie Kirk-Mechtel, bzfe.de
Weitere Informationen:
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