Gemeinschaftsverpflegung als Hebel für biologische Vielfalt

Die Herkunft der Zutaten zählt

An einer Essensausgabe reicht eine Frau in Schürze und mit Handschuhen einen gefüllten Teller an einen Mann mit Tablett. © paulzhuk– stock.adobe.com

(BZfE) – Die Biodiversität, die gesamte Vielfalt des Lebens auf der Erde, ist eine Voraussetzung für die Ernährungssicherheit – und die Lebensmittel auf unserem Teller spielen dabei natürlich ebenso eine Rolle. Nicht nur die Auswahl der Zutaten einer Mahlzeit, sondern auch deren Herkunft hat Einfluss auf die biologische Vielfalt. Das zeigen Untersuchungsergebnisse der Universität Hohenheim, für deren Mensa umfassende Einkaufsdaten ausgewertet wurden.

Für die Studie analysierte Valentin Specht, Doktorand am Fachgebiet „Nachwachsende Rohstoffe in der Bioökonomie“, ein Jahr lang die Lebensmittelbeschaffung für die Hohenheimer Mensa. Rund 200 Tonnen Lebensmittel für etwa 211.000 Mahlzeiten hat er bis zu ihren wahrscheinlichen Herkunftsländern zurückverfolgt.

Für die Biodiversitätsbilanz ordnete Specht den Lebensmitteln nicht einfach globale Durchschnittswerte zu, sondern berücksichtigte auch die Empfindlichkeit der Ökosysteme in den jeweiligen Herkunftsregionen. Dabei zeigte sich, dass Auswirkungen auf die Biodiversität zum großen Teil durch die Landnutzung verursacht werden, aber auch durch Wasserverbrauch, Eutrophierung von Gewässern (unzureichende Reinigung von Abwässern) sowie Effekte des Klimawandels. 

Die Herstellung tierischer Produkte wie Fleisch und Milch hat weiterhin den größten Anteil am Rückgang der Biodiversität, gleichzeitig rücken jedoch auch Kaffee, Kakao oder Palmöl stärker in den Fokus. Obwohl diese tropischen Rohstoffe eher kleine Mengen ausmachen, haben sie einen großen Biodiversitäts-Fußabdruck, weil sie in Regionen mit hoher Biodiversität produziert werden. 

Um all das künftig beim Einkauf von Lebensmitteln berücksichtigen zu können, will Specht die Analysen bis auf die Ebene einzelner Lieferketten und Anbauregionen weiter verfeinern. Das Ziel ist es, Biodiversität als Entscheidungskriterium in der Gemeinschaftsverpflegung zu verankern.

Wie sich Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung umsetzen lässt, wird inzwischen in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht – von bioregionalen Lebensmitteln und biodiversitätsfördernder Landwirtschaft an der Universität Hohenheim bis zur Entwicklung biodiversitätsschonender Mahlzeiten und entsprechender Gästekommunikation im Projekt BiTe. Die aktuelle Studie erweitert den Blick um die Herkunft der Zutaten und deren Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Für Mensen und Kantinen eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten, ihre Beschaffung und ihr Speisenangebot nachhaltiger auszurichten. Mit ihrer großen Reichweite kann die Gemeinschaftsverpflegung damit einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Ernährungssystems leisten und die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln stark verringern.

Melanie Kirk-Mechtel, bzfe.de

Weitere Informationen:

Studie: Multi-driver biodiversity impact assessment reveals hidden hotspots in institutional consumption

Pressemitteilung zur Studie: Reallabor Mensa: Für die Artenvielfalt zählt die Herkunft von Lebensmitteln

BZfE: Gemeinschaftsverpflegung kann besser für alle werden – Mensa, Kantine und Co. gestalten den Speiseplan der Zukunft mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln

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(Bildquelle: © paulzhuk– stock.adobe.com)